Caspi Art

E-Dergi

VATER UND TOCHTER

Anfang des 21. Jahrhunderts lebte und wirkte in der Stadt Duschanbe ein außergewöhnlich begabter Mensch – bescheiden, tiefgläubig und sein ganzes Leben lang dem Dienst am Menschen und der Musik verschrieben. Er bildete zahlreiche hervorragende Geiger aus und widmete 60 Jahre seines Lebens der Leitung zweier Musikschulen: einer elfjährigen Internatsschule in der Hauptstadt und einer weiteren in Tschkalowsk. Auch Schodmon Alifow, der sich voll und ganz der pädagogischen Tätigkeit verschrieben hatte, leitete ein Kammerorchester.

Seine aufopfernde Ehefrau schenkte ihm viele Kinder, darunter ein Mädchen, das bereits im frühesten Kindesalter eine außergewöhnliche Leidenschaft für Musik zeigte. Angehörige erinnern sich: „Bis zu seinem letzten Lebenstag liebte er seine Geige am meisten – es gab keinen einzigen Morgen, an dem er nicht geübt hätte.“ In dieser Atmosphäre wuchs seine Tochter auf. Der Vater wurde Firuzas erster Lehrer, und unter seiner strengen Aufsicht erlernte das begabte Mädchen rasch Musik und Klavierspiel. Bereits im Alter von 11 Jahren spielte sie ein Mozart-Konzert mit Orchester und gewann einen Preis beim Gedenkwettbewerb für Sergej Prokofjew.

Leider konnte sie trotz ihres erfolgreichen Abschlusses an der Musikschule das Klavierspiel nicht fortsetzen – Tadschikistan durchlebte damals schwere Zeiten. Doch die Liebe zur Musik – zur europäischen Klassik, zur traditionellen tadschikischen Musik und sogar zur qualitativ hochwertigen Populärmusik – blieb in ihrem Herzen lebendig. Firuza trat in die Klasse des berühmten Volksmusikinterpreten Dschurabek Muradow ein und schloss 2006 die Chudschand-Kunstakademie mit dem Abschluss „Konzertinterpretin für Volks- und Gesangsrepertoire“ ab.

Sie veröffentlichte acht Alben, nahm über hundert Lieder auf, errang Preise und Anerkennung der Jury bei zahlreichen Wettbewerben (darunter den 2. Platz beim IV. Internationalen Wettbewerb für Unterhaltungsgesang in Astana 2006) und wurde in ihrer Heimat außerordentlich populär. Plötzlich jedoch änderte sie die Richtung ihres rasanten Aufstiegs und widmete sich vollständig ihrer Familie. Sie wurde eine liebevolle Ehefrau und Mutter von vier wunderbaren Kindern und baute mit Hingabe ein harmonisches Familienleben auf.

Doch der Beruf rief sie, nach einer langen und bescheidenen Pause, erneut auf einen unbekannten Weg.

Diesmal ermöglichten ihr der Klavierunterricht für Kinder an der Musikschule Nr. 3 in Duschanbe und die Aufnahme in den Masterstudiengang am Tadschikischen Konservatorium, ihr Talent noch vollständiger zu entfalten. Bald schon vertraten ihre Schüler die Schule bei städtischen Wettbewerben, dann auf landesweiter Ebene und schließlich bei internationalen Wettbewerben – Savchinski-Wettbewerb (Sankt Petersburg), Rachmaninow-Wettbewerb in Kasan (wo Firuza selbst das Diplom „Beste Pädagogin“ erhielt), CaspiArt und „Moderato“ in der Türkei, „Accord“ und „Cantabile“ in der Schweiz – und gewannen dort Erst- und Zweitpreise, den Grand Prix beim Wettbewerb „Welt der Talente“ sowie weitere Auszeichnungen. Die Pädagogin selbst wurde mit dem Ehrentitel „Verdiente Kulturworkerin der Republik Tatarstan“ sowie weiteren hohen Auszeichnungen in ihrer Heimat geehrt.

Wie E. Gilels sagte: „Der Lehrer ist ganz von seinen Schülern eingenommen – er kann stundenlang mit ihnen arbeiten, gemeinsam an technischen und emotionalen Aspekten der Interpretation feilen. Wenn er ein echter Pädagoge ist, bereitet ihm diese Arbeit Freude.“ (L. A. Barenbojm, Emil Gilels, Moskau, 1990, S. 36) Einen solchen Ansatz beobachtet man auch in Firuzas Unterricht.

In ihren Stunden belebt sie gewissermaßen die alte Schule wieder, in der die Schüler das Gefühl haben, unter einem Dach mit ihrem Lehrer zu leben und das musikalische Leben mit ihm zu teilen. Ihre Schüler betrachten sie fast als Familienmitglied. Firuza bereitet sie wirklich durch die Musik auf das Leben vor. Diese Aufrichtigkeit und Offenheit verbindet sie mit tiefer Empathie und trägt sie durch all ihre menschlichen Beziehungen.

Seit fast einem halben Jahr verfolge ich mit großer Freude ihre Teilnahme an meinem Unterricht. Obwohl sie mit nur 23 Jahren gezwungen war, das Klavierspiel zu unterbrechen, hat sie in den letzten sechs Monaten bemerkenswerte Fortschritte gemacht und spielt heute äußerst anspruchsvolle Werke. Seit Jahrzehnten unterrichte ich Pianisten aus unterschiedlichsten Ländern, Kulturen, Völkern und Glaubensrichtungen. Selten traf ich auf eine so seltene und harmonische Kombination wie bei Firuza – aus Talent, Fleiß und einer völlig unvoreingenommenen, allumfassend verzeihenden menschlichen Haltung gegenüber anderen.

Heute ist Firuza Kasymowa nach unserer Überzeugung eine der herausragendsten und leuchtendsten Persönlichkeiten im tadschikischen Musikleben.

Wir wünschen ihr neue Errungenschaften auf dem unendlichen und herrlichen Weg der musikalischen Erkenntnis!

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